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"Ich bin es so was von wert, geliebt zu werden"

"Ich bin es wert, geliebt zu werden." 
von Marina Widegger I 19.12.2017

Ich habe gerade eine Meditation gemacht, in der ich bewusst die Angst gefühlt habe, die heute Vormittag nach einem unerwarteten Besuch aufgekommen ist. Und dann liefen plötzlich die Tränen. Ich sah die kleine Marina vor mir, dieses wunderschöne, kleine, liebevolle Mädchen, das gerne ihre orangenfarbene Hose und ihren dunkelblauen Pulli mit Blumen drauf anhatte. Ihren süßen "Haferl-Haarschnitt" hatte und mit ihren großen Kulleraugen schon so lange die Welt mit ihren eigenen Augen sieht. Und ich musste weinen und sagte zu ihr: "Was bist du nur für eine unglaubliche Seele. Was hast du alles für Schmerzen gefühlt und gespürt. Was hast du dir da ausgesucht. Dieses Leben, in dem dich alle Menschen darin erst einmal komplett ablehnen, rausschmeißen, aus ihrem Leben kicken, in denen du immer wieder gesagt bekommst: "DU BIST NICHT LIEBENSWERT. Keiner kann dich lieben, so wie du bist." Ja, genau das habe ich immer wieder gehört. Nicht einmal indirekt. Auch nicht verschönert.. oder ein bisschen anders. Sondern die engsten Menschen in meinem Leben haben mir laut und deutlich immer wieder gesagt: "DICH KANN NIEMAND LIEBEN." 
Und lange Zeit glaubte ich ihnen...

Vor ein paar Wochen habe ich eine sehr erwachsene, bewusste Entscheidung getroffen. Wir (Michael und Ich) haben einem 15-jährigen Mädchen, dem es sehr schlecht geht, gesagt, dass wir das, was wir sehen, nicht verhindern können, aber dass wir es gerne ansprechen wollen. Denn wenn Michael und ich eines erlebt hatten in unserer Kindheit und Jugend, dann waren es Menschen, die, egal wie schlecht es anderen und uns ging, weggeschaut hatten, ihren Kopf in den Sand gesteckt hatten und es ignoriert hatten, was eigentlich nicht mehr zu ignorieren war. 
Und ich habe mir selbst versprochen, dass ich das einmal anders mache.

Bei diesem Mädchen gab es dann die Gelegenheit... hinzusehen.. hinzuspüren... und zu reden.... 
und dieses Mädchen ist genau wie wir eine so unfassbar starke Seele, die sich ebenso ein gleiches Umfeld gesucht hat wie wir... auch sie ist dabei, aufzuwachen. Auch sie ist dabei, all die Lügen zu ihrem Herzen zu erkennen und zu durchbrechen.
Es bleibt ein langer Weg. Ich kenne diesen Weg. Doch ich werde immer für dieses Mädchen da sein, genau wie ich für mein inneres Mädchen immer da sein werde.

Heute Mittag stand unangekündigt jemand vor unserer Tür, der uns verboten hat, diesem Mädchen zu helfen. Er hat uns gedroht und uns 15 Minuten lang beschimpft und abgewertet. Ich konnte gut bei mir bleiben. Ich verstand, was er da tat. War ich lange genug in diesem Umfeld aufgewachsen, das sich da zeitweise immer noch zeigen will. Danach war ich aber auch platt. Denn all das, was dieses Mädchen gerade erlebt, habe auch ich so sehr erleben müssen. Menschen, die mich lieber sterben lassen, statt Probleme anzureden. Menschen, die mir sagen, dass ich sie nicht mehr alle habe, dass mich niemals jemand lieben könnte. Menschen, die mir nicht helfen und mich mit allem alleine lassen, weil sie selbst weiter weg sehen wollen statt sich ihren Scheiß mal einzugestehen.
All das habe auch ich erlebt.

Das Abwerten meiner Persönlichkeit bis ins letzte Detail. 
Das Kaputtmachen eines Menschen auf Biegen und Brechen, weil man nicht möchte, dass die eigenen Lügen, die man sich über Jahrzehnte aufgebaut hatte und von seiner eigenen Tochter durchbrochen werden könnten, um alles auf der Welt aufrecht erhalten möchte. 
Es ist so abartig, dass man dafür seine eigene Tochter zerstört, bevor man hinsehen möchte. Dass man sie liegen lässt, alleine lässt und sich einen Dreck darum kümmert, was sie durchmacht, mit sich, ihrer Seele, ihren Gedanken und Gefühlen und auch noch verhindern will, dass jemand ihr hilft, der sieht, wie sehr sie leidet.
Ich habe das alles auch erlebt. Und nein, Frieden habe ich noch nicht damit. Ich habe auch noch nicht verziehen. UND das ist vollkommen okay. Weil das ein ewiger innerer Prozess ist, der bis ins Gefühl geht. Wenn ich verzeihe, dann wirklich von innen her statt rein aus dem Kopf heraus. Und soweit bin ich noch nicht.

Und dieses Mal habe ich soweit geholfen, wie ich helfen konnte und dieses Mädchen auch zuließ. Letztendlich war es ihr freier Wille, sich nun helfen zu lassen. Ich habe ihr nur bei der Umsetzung geholfen, weil ich bereits weiß, was in so einem Fall zu tun ist.
Was mich heute daran fasziniert hat, war, dass mir ein fremder Mensch (in dem Fall ebenso ihr Papa) Dinge an die Ohren knallte, die ich mein ganzes Leben schon hörte.Unbewusst sind wir halt verbunden und spüren die wunden Punkte des Anderen. Er wohl auch. 
Er sagte mir wieder Dinge wie, "dass MICH niemand LIEBEN könnte", "dass ich ein grausamer Mensch bin, dass ich abartig böse bin. Dass ich es wert bin, dass ich alleine bin. Dass ich keinerlei gute Qualitäten als Mensch aufweise. Und dass er mich ebenso, wie früher manche Menschen, versucht hat, so klein wie möglich zu machen."

Sodass es nicht möglich war, dass er kein einziges Mal seine Emotionen spüren und fühlen konnte. Dass er nicht ein einziges Mal sagen konnte: "Ich habe Angst um meine Tochter. Ich mache mir solche Vorwürfe. Ich weiß nicht weiter. Es tut mir so leid. Was kann ich nur tun." 
Dann, ja dann, könnte so vieles HEILEN in ihm. Es könnte so viel einfach GEHEN.
Es könnte in ihm so viel einfach mal abfallen, was so tief in ihm sitzt.
Ich weiß mittlerweile, dass auch dieser Mensch, genau wie früher die Menschen in meinem Leben, all das nur deshalb macht, weil er sich selbst nicht sieht, weil er seine eigenen Schatten nicht sieht, sich mit sich selbst und seinen Gefühlen nie auseinander gesetzt hat. Sich nicht kennt und nicht weiß, warum er hier ist als Mensch. Er hat keine Liebe kennen gelernt deshalb kann er auch mich nicht für meine Tat lieben, dass ich seiner Tochter geholfen habe, Hilfe zu bekommen.
Doch ich wünsche es ihm... ich wünsche ihm, dass er eines Tages fühlen kann, dass er es wert ist, geliebt zu sein. Dass er Fehler gemacht hat, dass er Scheiße gebaut hat, aber dass er es wert ist, geliebt zu sein. GENAU WIE AUCH ICH ES WERT BIN, geliebt zu sein. Ich habe mein Leben lang gehört, dass ich nicht liebenswert bin. Und mittlerweile weiß ich zumindest im Kopf, dass das anders ist. Und dass diese Menschen, bei denen ich mein Leben verbringen "musste", glaubten, auch nicht liebenswert zu sein. Dass sie selbst nie Liebe kennen gelernt haben. Dass sie unglaublich arm sind, weil sie keine andere Möglichkeit sehen, außer die, andere bis in den Boden hin schlecht zu reden und schlecht zu machen. DAS IST ARM! 
Dass sie nie gelernt haben, sich selbst zu spüren und zu fühlen und wirklich ALLES glauben, von sich weg schieben zu können und keinerlei Verantwortung für all diese Gefühle zu tragen, die je durch meine Anwesenheit ausgelöst wurden.

Ich finde es so unglaublich, wie stark meine Seele ist.
Ich habe mir ein Umfeld ausgesucht, in dem ich wirklich die EINZIGE war, die ein anderes Spiel gewählt hat. Woher habe ich diese Kraft genommen? Diese Weisheit? Diese Liebe? Diese unbändige Lebenskraft, weiterzumachen...bis hierher zu gehen?
Ich kann nur hier sitzen, meine Tränen fließen lassen und mich ganz fest umarmen. Mir danke sagen. Mich dafür lieben, was ich für eine unglaublich starke Seele bin, wenn ich mir all das irgendeinmal ausgesucht habe (sollte das wirklich so sein).

Und eines verspreche ich meiner kleinen starken Seele gerade:
"Dass ich ihr wünsche, dass jetzt erst einmal nur noch die Sonnenseite bei ihr vorbei schaut. Dass sie von mehr Menschen geliebt und geschätzt wird als sie sich in ihren Träumen je vorstellen hat können, mehr Glück erfährt, als sie sich je ausgemalt hat und mehr LIEBE reinkommt, als jemals zuvor, und das JEDEN einzelnen TAG!"

Liebe kleine Marina, ich liebe dich von ganzem Herzen. UND für alle da draußen, die mir immer wieder eingeredet hatten, dass man mich nicht lieben könne:
ICH BIN ES WERT, unglaublich TIEF GELIEBT ZU WERDEN. Und zwar jede einzelne Sekunde meines Lebens.

Und ich wünsche euch das Gleiche....

Marina 

 

 

 © Marina Widegger

www.reco-frauen.de

 

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